Dienstag, März 23, 2010

Hauptpost

Heute konnte ich mir leider einen Weg nicht ersparen denn ich nicht so gerne mache. Den Weg zur Post, in unserer über 3 Millionen Stadt, Chittagong. Wir haben so einige Bekannte im Alter meiner Mutter (über 70 Jahre)die keinen Draht zum Computer oder auch e-Mail haben. Diese lieben Frauen (und Männer) sind es aber, die das Rückrad unserer Arbeit im Geben und Beten ausmachen. Deshalb möchte ich sie nicht vernachlässigen und schreibe ab und zu "altmodische" Briefe. Ich traf pünktlich um 9:00 Uhr an der Post ein um evtl. lange Wartezeiten zu umgehen. Die Post Annahme und Abfertigung befindet sich in einem riesigen Gebäude. Ich denke die meisten Kuhställe in Deutschland sind sauberer. Allerdings riecht es nicht nach Mist, sondern alles ist nur sehr muffig. Ich war der erste an meinem Schalter, auch der Postbeamte der diesen bedient war noch nicht da. Er kam um 9:15 Uhr. Er engstaubte "sein Gebiet" mit einem alten Lappen und brachte dann ca. 10-15 Minuten später die Maschine zum Vorschein wo man das Porto einstellt und die Briefe durchschiebt. Er sagte mir dann das es keinen Strom gibt und wir jetzt darauf warten müssen, denn ohne Strom geht die Maschine nicht. Das ist ja auch einleuchtend. Was ich nicht so begreife ist das die meisten der Deckenventilatorren und paar Lichter funktionieren. Diese sind an den Generator abgeschlossen. Die Portomaschine hat es wahrscheinlich von der Wichtigkeit her nicht geschafft, es ist ja auch nur eine Post...Ich sah wenigstens 5 Damen und Herren die an verschiedenen Tischen saßen und vor sich hin starten. Ich machte dann den Vorschlaf das man ja einige von diesen Angestellten entlassen könnte und von dem eingesparten Geld die Maschine an den Generator anschließt. Das wurde mit einem Achselzucken abgetan. Ich stand weiterhin in guter Entfernung von dem Schalter, denn das alte Holz am Schalter ist von verschiedenen Käfern/Tieren befallen deren Bisse sehr weh tun wenn man zufällig mit dem Arm drauf kommt. Schließlich brauchte ja keine Angst zu haben das sich jemand vordrängelt denn die Maschine funktionierte ja ohne Strom nicht. Ich ärgerte mich so vor mich hin und bekam dann irgendwann mal die Kurve wenigstens für Jörg, dessen Familie u.a. in Deutschland zu beten. Ich dachte der Herr freut sich sicher wenn ich "meine" Zeit für diesen guten Zweck der Fürbitte benutze statt mich innerlich aufzuregen. Gegen 9:55 kam der Strom wieder, meine Briefe wurden gewogen mit kleinen Gewichten und dann durch die Maschine geschoben. Das Porto für alle 5 Briefe nach Deutschland betrug 167 BDT, weniger als 2 Euro. Billig ist es ja wenigstens...
Man kann an einem anderen Schalter auch Briefmarken kaufen. Leider haben die nicht die benötigten genauen Werte und es gibt auch keinen Leim wo man die dann auf den Brief aufkleben kann. Der Klebstoff fehlt hier in Bangladesh auf der Rückseite der Briefmarken weil die ja sonst aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit immer miteinander verkleben würden. Ich hätte mir den Leim von Zuhause mitbringen können, aber dann besteht halt die Gefahr das einer der unehrlichen Postbeamten die Marken vom Umschlag abweicht, wieder verwendet und meinen Brief in den Abfall wirft. Das will ich dann auch nicht denn schließlich bin ich ja fast eine Stunde bis zur Post vom Waisenhaus unterwegs. Ich könnte dann noch den Beamten finden der die Marken schnell abstempelt aber der ist auch eher langsam und besonders schwer zu finden. So mache ich halt weiter meine Besuche zur Post wenn es sich nicht umgehen lässt oder ich gebe meine Post Besuchern zum abschicken in anderen Ländern mit. Eines ist sicher, ich habe in meinem Leben schon mehr Geduld auf der Post gelernt als in der Kirche oder unter Handauflegung. Und das ist ja auch was. Als ich so da stand und wartete dachte ich mir, diesen Aspekt von Bangladesh werde ich sicher nicht vermissen. Allerdings ist die Chance das wir in ein "zivilisiertes" Land gehen eher gering und so kann es ähnliche Postzustände geben in unserem neuen Land, oder sogar schlimmer?